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Auf der Bühne des Lebens
Joachim Feldmeier schuf den größten Holzschnitt aller Zeiten
''Die größten Ereignisse'', hat Nietzsche einmal gesagt, ''sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.'' Wenn Joachim Feldmeier seinen großen, 56-teiligen Holzschnitt ''Naturgewalten'' nennt, dann gibt er diesen Titel nicht donnernden Wasserfällen, tobenden Stürmen oder feuerspeienden Vulkanen, sondern einem stillen Waldstück irgendwo im Schäbischen.
Feldmeier, Kunsterzieher in Kaufbeuren und leidenschaftlicher Holzschneider mit Werkstatt in Leeder, wurde hierzulande bekannt durch Ausstellungen, unter anderem im Kleinen Schloss Türkheim. Ab Oktober werden im Alten Rentamt in Mindelheim Arbeiten von ihm gezeigt.
Für seinen gigantischen Holzschnitt allerdings hat er bisher in Bayern keinen Ausstellungsraum gefunden, dazu muss er in einigen Wochen bis nach Thüringen gehen.
Feldmeier lehrt uns das Sehen. Öffnet uns die Augen für die gewaltige Kraft des scheinbar Unspektakulären, Schlichten, Banalen. Führt uns auf die grandiose Bühne des Lebens und hebt den Vorhang für ein Stück, das sich täglich vor uns abspielt, ohne dass wir dessen gewahr werden. Feldmeier weckt Bewusstheit für das Leben - und für dessen Zerbrechlichkeit.
Die Mittel, mit deren Hilfe ihm das gelingt, sind spektakulär. Der Künstler erfüllt sich mit den ''Naturgewalten'' einen Traum, der nur mit Hilfe ausgeklügeltster Technik und ausgefeiltester Logistik realisierbar war: die Erstellung eines Holzschnitts von 31 Meter Länge und fast drei Metern Höhe, bestehend aus 56 Farbholzschnitten im Format 138 mal 110 Zentimeter.
Um sich die Problematik des Projekts klar zu machen, muss man wissen, dass übliche Druckpressen eine maximale Walzenbreite von 60 Zentimetern aufweisen. Feldmeier hat in seiner Werkstatt eine Walzenpresse vom Format zwei mal drei Meter. Zum Schneiden seiner hochkomplexen Platten entwickelte er mit Hilfe befreundeter, hochmotivierter Techniker eine computergesteuerte Fräsmaschine, die er selbst programmiert hat und die an den ''Naturgewalten'' zwei Jahre lang praktisch Tag und Nacht arbeitete.
Dieser High-Tech-Einsatz - permanent kontrolliert, modifiziert und ergänzt vom Auge und den Händen des Künstlers - ermöglicht den von Feldmeier so genannten ''Progressiven Holzschnitt'', das heißt, er erfüllt ihm einen Wunsch, den er vor Jahren so formulierte: ''Ich möchte mit dem Holzschnitt malen, ja, eigentlich aquarellieren.''
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