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Romantiker mit Stichel und PC
Der Künstler Joachim Feldmeier hat die Holzschnitt-Technik computerkompatibel gemacht
Leeder/Kaufbeuren Es gibt nicht wenige in der Kunstszene, die sagen, der Holzschnitt sei passé. Joachim Feldmeier schüttelt den Kopf. Ja, es stimme schon, das Interesse an dieser uralten Technik sei eine Zeit lang im Schwinden gewesen. Nun aber gebe es eine regelrechte Renaissance. Der Künstler nimmt für sich in Anspruch, zumindest für einen kleinen Teil des Aufschwungs mitverantwortlich zu sein. Feldmeier hat nämlich über zehn Jahre hinweg beharrlich daran gearbeitet, die Holzschnitt-Technik computerkompatibel zu machen. Und er hat den vielleicht größten Holzschnitt der Welt geschaffen.
Feldmeier gehört nicht in jene Kategorie Künstler, die das Rampenlicht mit allen Mitteln suchen. Sein Atelier hat er im weitläufigen Keller einer Lastwagen-Reparaturwerstätte in Leeder eingerichtet. Das Örtchen liegt unweit des Lechs zwischen Landsberg, Schongau und Kaufbeuren. Dort stehen die riesigen Druckstöcke, der Computer, dort archiviert er seine unzähligen Drucke.
Es zeugt von der Bescheidenheit des 53-Jährigen, dass er für seinen jüngsten Coup, obwohl rekordverdächtig, noch gar nicht so richtig getrommelt hat. Feldmeier schuf einen Farbholzschnitt, der ihm zufolge der größte der Welt ist. ''Naturgewalten - Kräfte der Natur'' heißt er und besteht aus 56 Teilbildern, die zusammengefügt eine Länge von 31 Metern und eine Höhe von 2,80 Metern ergeben. Eine Mammutarbeit, deren Realisierung über zwei Jahre dauerte.
''Naturgewalten - Kräfte der Natur'' zeigt ein Waldmotiv. Während die oberen 28 Bilder gegenständlich gehalten sind, gleitet die untere Hälfte des Werks ins Abstrakte. Eine programmatische Arbeit, denn Feldmeier will einerseits auf die Kräfte der Natur hinweisen, andererseits auch auf die Wunden, die ihr geschlagen werden. Wer die 31 Meter entlangspaziert, soll zum Nachdenken angeregt werden, aber auch Ruhe und Muße finden. ''Vielleicht bin ich ein moderner Romantiker'' sagt Feldmeier. Er liebt die großen Formate. Doch diese verlangen unendlich viel Arbeit mit Messer, Stichel und Hohleisen. Um sie ein wenig abzukürzen, hat er schon vor über zehn Jahren angefangen, die moderne, computergestützte Frästechnik der Industrie für seine Kunst nutzbar zu machen. Er entwickelte CAW - computer aided woodcut. Dieser computergestützte Holzschnitt ermöglicht es, große Flächen maschinell aus einer Holzplatte zu schneiden. Feldmeier betont aber gleich, dass es sich dabei nur um ein weiteres Werkzeug handelt. ''Die künstlerische Arbeit nimmt mir der Computer natürlich nicht ab.''
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Fachkreise schätzen Feldmeiers Forscherdrang und seine eigene Handschrift. Er hat sich schon vor 20 Jahren von der eher derben Variante des Holzschnitts verabschiedet und sich dem ''malerischen Holzschnitt'' verschrieben. Bei Europas größter Grafikmesse, der ''art multiple'' in Düsseldorf, durfte er seine Technik öffentlich vorführen. Und der Kunstverleger Curt Visel lobt die Leichtigkeit, der aquarellartigen Werke: ''Das ist ein Phänomen, das ihn aus der heutigen Holzschnittkunst heraushebt.''
Teile des Naturgewalten-Projekts hat er bis dato in München, Frankfurt, Augsburg und anderen Städten ausgestellt. Im Gesamten hätte er es gerne in Kaufbeuren gezeigt, wo Feldmeier als Kunstlehrer an einer Realschule arbeitet. Doch Sponsoren fanden sich keine, die Stadt konnte und wollte die Ausstellungskosten nicht tragen.
Der Kunstexperte Erwin Birnmeyer vermittelte ihn dann weiter in Kaufbeurens westungarische Partnerstadt Szombathely. In der dortigen Kunsthalle war nun Feldmeiers Werk, präsentiert an einem von ihm selbst ausgetüftelten Hängesystem aus Aluprofilen, erstmals in voller Größe zu sehen und hat in den Medien große Aufmerksamkeit gefunden. Die Kosten es 1,4 Tonnen-Transportes hatte der Städtepartnerschaftsverein Kaufbeuren übernommen, die Einladungskarten für die Vernissage bezahlte Feldmeier aus eigener Tasche.
Klaus-Peter Mayr
Augsburger Allgemeine (Die Dritte Seite), Montag, 22. Juli 2002
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