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Naturgewalten - Kräfte der Natur

Dokumentation über die Entstehung des grössten malerischen Holzschnitts der Welt

Naturgewalten - Kräfte der Natur in Holz geschnitten - Joachim Feldmeier und sein Werk

Der Künstler Joachim Feldmeier (geboren 1949) ist vor allem durch seine Holzschnitte bekannt geworden. Es ist jedoch eine besondere Gattung des Holzschnittes, die er im Laufe vieler Jahre entwickelt hat, denn Feldmeier schreibt mit seinen gewaltigen Formaten jene traditionelle, bereits im Mittelalter angewandte Technik der künstlerischen Publikation nicht einfach fort, sondern setzt innovative Akzente. Er bezieht dabei die Möglichkeiten computergesteuerter Maschinen ein.

Bei der ''Art Multiple 97'' konnte das Publikum den Entstehungsprozess von Feldmeiers Arbeiten unmittelbar miterleben. Der Künstler und seine Galeristin, Gerda Bold, die Feldmeiers Werk seit vielen Jahren vertritt, löste mit dieser ''Performance'' einen Diskussionsprozess aus, der um die Frage kreiste, wieweit ein Künstler sich moderner Mittel bedienen darf, wenn er in einer traditionellen Technik, wie dem Holzschnitt, arbeitet. Heute erscheinen solche Diskussionen überflüssig. Man hat längst akzeptiert, dass auch auf dem Gebiet der Künstlergraphik alles möglich und legitim ist, womit der gewünschte Effekt erzielt und die Arbeit erleichtert wird. Es kommt vor allem auf die richtige Kundeninformation an und besonders darauf, welche Ideenwelt hinter dem technischen Aufwand steht. Und diese Ideenwelt ist bei Feldmeier sehr ausgeprägt. Es geht um die Kraft der Natur, von welcher der Mensch nur ein kleiner Teil ist. Die schöpferische Innovationskraft, wie sie in den kolossal wirkenden Wäldern zum Ausdruck kommt, ist die Energie, aus der heraus Feldmeiers Holzschnitte leben. Es geht ihm um die Schönheit des Lichtes, das sich in dem bizarren Blätterwerk bricht und für dessen Gestaltung er immer wieder ausgefallene Farbnuancen erfindet. Joachim Feldmeier ist ein genauer Beobachter und Interpret der sichtbaren Welt, die für ihn umfassender ist als das, was das menschliche Auge sieht.

Joachim Feldmeier liebt die Natur und fühlt sich mit der Natur verbunden, das spürt man in jedem einzelnen Blatt. Das Allgäu, wo er aufgewachsen ist und wohin er nach den Münchner Studienjahren wieder zurückkehrte, liefert ihm zahlreiche Motive. Man hat das Gefühl, dass aus dem Gesamtwerk Feldmeiers der Wald herauswächst wie der Wald in der Natur eben wächst, zusammenhängend, aber immer wieder für neue, überraschende Ausbildungen offen. Ganz deutlich wird diese Einstellung zur Kunst und zur Natur in einem einmaligen Kolossalwerk, das Feldmeier in jüngster Zeit geschaffen hat, den ''Naturgewalten - Kräfte der Natur''.

Jener Zyklus, von dem es nur ein einziges Exemplar sowie einen Probedruck gibt, besteht aus 56 einzelnen Farbholzschnitten in einer jeweiligen Größe von 138 x 110 cm. Die einzelnen Holzschnitte, die auch für sich genommen Bestand besitzen, wurden vielfarbig und in 8 Stufen vom Künstler gedruckt. Dabei wurde die Technik des Abbauschnittes verwendet (verlorene Platte). Das Werk kann somit nicht nachgedruckt werden.

Es sind die vielfältigen und unterschiedlichen Aspekte des Waldes, die hier, künstlerisch verarbeitet, eingebracht und in einer Art Kolossalgemälde zusammengefasst sind, für dessen Präsentation von Feldmeier ein besonderes Hängessystem entwickelt wurde mit der beachtlichen Dimension von 33 m Länge und 3,40 m Höhe. Der Betrachter fühlt sich auf diese Weise unmittelbar einbezogen in die gewaltige Szenerie, die Mikro- und Makrokosmos zusammenfasst. Der Wald ist in den ''Naturgewalten - Kräfte der Natur'' nicht nur aus unterschiedlichen Einzelperspektiven dargestellt, sondern auch zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten. Die Vielfalt, in der unter dem Begriff ''Wald'' zusammengefassten Einheit, wird in diesem monumentalen Werk deutlich und führt so unmittelbar vor Augen, dass das Ganze immer mehr ist als die Summe seiner Teile.

Dr. phil. Helmut Orpel

ARTPROFIL, Fachmagazin für aktuelle Kunst, Heft 1/2002, Februar 2002